Gerh.von Kügelgen ermordet aufgefunden!

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Irmgard
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Gerh.von Kügelgen ermordet aufgefunden!

Beitrag von Irmgard » 06.09.2011 12:58

Schicksal einer Person aus meiner Ahnenforschung http://www.von-kuegelgen.de/12369.html

der Bremer Zeitung von 1820

Vermischte Nachrichten
Privatbriefe aus Leipzig, sagt die Hamb. B. Liste, geben die entsetzliche Nachricht, daß der verdienstvolle Maler, Gerhard von Kügelgen, völlig entkleidet, ermordet gefunden worden. Er war auf dem Rückwege von seinem Weinberge in die Stadt begriffen, wohin er einigen Arbeitern Geld zur Bezahlung hinausgebracht.

Dresden, den 30.März
Der Maler Kügelgen wurde von seinen Angehörigen in Begleitung von Gendarmen, Polizeioffizianten und Spürhunden lange vergebens gesucht, bis man ihn zwischen dem Chausseehause und dem markolinischen Forsthause, unterhalb der Landstraße auf einem abhängigen Fußsteige bei hellem Mondschein ermordet und beraubt fand. Sein Sohn war der erste, der ihn erblickte. Der Erschlagene hatte im Gesicht und am Hirnschädel mehrere Wunden, die mit einer Spitzhacke gemacht zu sein schienen. Er trug einen kostbaren SPAM, eine Uhr und hatte in Gegenwart der Bauleute eine Geldbörse hervorgezogen, daher ein Maurergesell in Verdacht ist, den das Hündchen, das Kügelgen begleitete, bis nach Loschwitz hin bellend verfolgte. Dieser Gesell und ein Tagelöhner sind auch schon festgesetzt. ,,Der Weinberg an der Elbe" mag nun den Dresdnern ein trauriges Andenken erregen. Der König von Sachsen schätzte den Künstler persönlich und hat auf die Entdeckung des Thäters Tausend Thaler aus seiner Schatulle ausgesetzt. Es ist seit Kurzem hier der vierte Mord: ein Tischlergesell war am Thor ermordet gefunden, im Palaisgarten war auf eine Schildwache gechossen, und neben der Kreuzkirche ein Mann, wie bekannt, durch einen Piqueur verwundet. Keiner dieser Thäter ist entdeckt.

Dresden, den 6.April
Die Mörder des Professor Kügelgen sind entdeckt und eingezogen. Es sind ihrer drei, ein Steinmetzer namens Wendisch, ein Kanonier, der die Tochter dieses Wendisch heiraten wollte, und ein Maurer, namens Madner. Gestanden haben sie noch nicht, doch ist der Zusammenhang schon heraugebracht und folgender: Die Elenden wußten, daß der Geopferte mit dreihundert Thalern baaren Geldes nach Loschwitz gekommen war, um diese Summe theils für Baumaterialien, theils für angekaufte Bäume zu bezahlen, daß er aber, weil die Verkäufer abgehalten worden waren, sich in Loschwitz einzufinden, dieses Geld nicht hatte auszahlen können. Sie glaubten also, er habe es bei sich und nehme es mit nach der Stadt zurück. Er hatte es aber bei dem Winzer seines Weinberges deponiert, und so ist ihnen für die Mordthat nichts als seine Uhr und sein SPAM zu Theil geworden. Zwei andere Personen, die vermuthlich auf die eine oder andere Art davon gewußt, haben sich in die Elbe gestürzt. (Autor:H.Bi.)

Dresden, den 7.April
Der Mörder des Malers Kügelgen soll entdeckt und ergriffen sein. Nahe dem Thore, außerhalb der Stadt Dresden, werden Steine gehauen und gesägt. Zwischen den Steinen in einen Winkel gestopft, war der Mantel des Ermordeten gefunden worden. Hier wurden sogleich Wächter versteckt. Am 29. ganz spät am Abend kam ein Mann, der an jener Stelle etwas zu suchen schien. Dieses erregt Verdacht; er wurde festgenommen, hat bis jetzt nichts gestanden, aber es findet sich, daß er ein Maurer ist, welcher eben auf dem Weinberge war, als K. dort die Arbeiter abbezahlte. Der Mann erhandelte von dem Winzer einige Bäume während der Bezahlung. Mehr hat man noch nicht herausgebracht. (Autor: R.K.)

Dresden, den 20.April
Der Mörder des Professors von Kügelgen ist entdeckt. Es fand sich zugleich, daß er schon vor Weihnachten d.J. einen Tischlergesellen auf der Moritzstraße ermordet und beraubt hatte. Es ist ein mit Stadturlaub versehener Artillerist, Namens Fischer. Er ward am 3. Osterfeiertage von einem Israeliten Namens Hirschel angegeben, dem er die Uhr des Ermordeten, welche durch öffentlichen Anschlag genau angegeben war, verkauft hatte. Fischer ward sofort verhaftet, an sein Gericht abgeliefert, und sodann von den Militärgerichten an das Justizamt abgegeben, welches die Hauptuntersuchung führt. Hartnäckig hatte er bisher die That geläugnet, als man ihm aber einen Prediger zuschickte, welcher ihm das Gewissen rege machen sollte, hat er den 18. dieses (Monats) zuerst den letzten Mord eingestanden, sodann auch den anderen Morgen darauf den Mord des Tischlergesellen. Heute in der Frühe hat man den Mörder an die Örter gebracht, wo er beide Verbrechen begangen hat.

Dresden, den 4. Mai
Der Jude Hirsch hatte einen rothköpfigen Kanonier Fischer, den Mörder Kügelgens, des Verkaufs der Uhr beschuldigt; er und zwei andere Juden hatten ihn für den Verkäufer der Uhr erkannt; der Kerl war gefangen und hatte alles gestanden, und wie er die beiden Morde (an Kügelgen und an einem kurz vorher ermordet gefundenen Handwerksburschen, der die gleichen Wunden wie K. hatte) allein vollbracht. Jetzt ist ein großer Kanonier Namens Backofen, gefangen, bei dem man des Tischlergesellen Stock, Kügelgens Stiefel, Kügelgens drei Schlüssel zum Weinberg und zur Studierstube gefunden. Nicht bloß hat auch dieser Kerl den Mord und den des Tischlergesellen eingestanden, sondern auch das Handbeil vorgezeigt, womit er die Wunden geschlagen, und jeder der zwei Mörder behauptet, die That allein und ohne Hülfe vollbracht zu haben., und von dem anderen nichts zu wissen. Das Wunderbarste ist aber folgendes. Der Backofen sagt: ich war's der die Uhr verkaufte. Nun sind ihm die drei Juden vorgeführt worden, und haben erklärt: ja, dieser war's und kein Andere, und demnach hatten sie beschworen, und fest sich eingebildet, es sei der Fischer gewesen, der keine Ähnlichkeit mit Backofen hat, und hatten ihn auf dem Neumarkt in Zivilkleidung erkannt und aufgegriffen, und in ihm den Gehülfen der zwei Mordthaten, da er doch die Uhr keineswegs verkauft. Es kann sein, daß er ihnen früher Sachen verkauft, wodurch sie ihn verwechselt haben.
Man hofft noch mehr zu entdecken, denn ohne Zweifel haben die Mörder noch Vorposten und Schildwachen an der Landstraße gehabt. Man glaubt, daß Wendisch und sein Mädchen, und selbst der Winzer, der den Weinberg an K. verkaufte, mit im Komplott sind. (H.Bi.)

aus Sachsen, den 3.Juni
Durch die sorgfältige Untersuchung ist es nun aßer allem Zweifel,daß der allgemein betrauerte Gerhard von Kügelgen von einem einzigen Mordgesellen, dem Artilleristen Kaltofen, überfallen und getötet wurde, und daß derselbe auch den ersten Mord an einem Tischlergesellen vor sechs Monaten gleichfalls auf der Landstraße unfern der Stadt verübt hat. Der Artillerist Fischer, der früher sich beider Mordthaten selbst schuldig erklärt hatte, scheint durchaus unschuldig und blos aus Beschränktheit seines Verstandes und Lebensüberdruß sich, bevor der wahre Mörder entdeckt und überführt war, zu beiden Thaten bekannt zu haben. Alle weiteren Verhöre haben bis jetzt keine Mitschuldigen finden lassen. (N.K.)


(Anm.: Name des Verdächtigen Backofen wurde später in Kaltofen abgeändert, wie auch aus Hirsch=Hirschel)

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