Um 1820: Ein Leben in Armut

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Irmgard
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Um 1820: Ein Leben in Armut

Beitrag von Irmgard » 28.07.2010 10:25

Um 1820: Ein Leben in Armut aus Bremen beispielhaft auch für andere Städte.

Ein alter Mann bekam 1820
jährlich 12 Taler Militärpension,

12 Taler verdiente er durch Arbeit hinzu,
33 Taler erhielt er an Unterstützung und von der Armenfürsorge,
Damit lebte er mit seiner Familie unter dem Existenzminimum,
wenn er für Nahrung 45 Taler,
Miete 10 Taler
und Feuertorf 8 Taler brauchte.
Mit einem Taler = 72 Grote mußte er also eine Woche auskommen.
Allein 8 Grote brauchte die Familie täglich für Essen.

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Claus J.Billet
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Beitrag von Claus J.Billet » 28.07.2010 11:21

hm...
....das war ja mehr als mit Hartz IV, ...oder :?: :shock:
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Irmgard
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Beitrag von Irmgard » 28.07.2010 11:43

nein, keinesfalls. Mit Hartz IV muß niemand entscheiden, ob er erfriert oder verhungert.

Aber vielleicht kommt das ja noch ...

Interesssant ist aber noch, daß die Armut einer vergleichsweisen Frau mit Kindern um vieles schlechter gewesen ist, denn sie bekam mindestens 12 Taler weniger und für ihre Arbeit wurde sie auch minderer bezahlt als ein Mann.

Noch etwas, das die Armut deutlich macht:

ein Auswanderer um 1830 hatte mindestens 100 bis 200 Taler in der Tasche, eine Familie, die ihre Habe, Hof und Haus verkauft hatte, 1000-1200.

Eine Gemeinde, die ihre Armen ausbürgert und ihnen eine Fahrkarte nach Amerika kaufte, zahlte also eigentlich nur 3 Jahre Armenunterstützung aus und entledigte sich der Sorge für evtl. durch Hunger krimineller Handlungen, die eine Unterbringung der Mutter, die Lebensmittel gestohlen hatte, in einem Zuchthaus und damit auch die Unterbringung der Kinder in einer Verwahranstalt finanzieren zu müssen. Eine solche Familie erhielt aber keine 1000 Taler für die Übersiedelung.

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