Wappen Rautenberg

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Albus
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Wappen Rautenberg

Beitrag von Albus » 09.11.2011 22:00

Schönen guten Abend, ich bin neu im Forum, allerdings nicht neu in der Heraldik :wink:

Zum Wappen Rautenberg http://www.familie-greve.de/modules.php ... wid=102174
Ich weiß nicht, ob Frau Rautenberg plant, dieses Wappen zu führen, oder ob es sich nur um einen Hinweis auf ein historisches Wappen handelt?

Es ist das der alten niedersächsischen Adelsfamilie von Rutenberg (auch Rautenberg).
Die Zahl der Rauten variierte dabei, mal 8 (5,3), mal 5 (3,2) # Rauten in G. Auch die Helmzier hatte Varianten.
Der Ursprung der gegen Mitte des 17. Jh. erloschenen, bedeutenden stifts- hildesheimischen Familie lag im Dorf Rautenberg, Gemeinde Harsum, nördlich von Hildesheim. Dort ist noch heute der Hügel der alten Burgmotte zu sehen.
Es ist folglich ein redendes Wappen nach einer Wohnstätte (mit Ruten = Weiden bestandene Geländeerhebung) und nicht etwa (Zitat) "Die Raute steht für Gericht, Gesetz, Recht". :wink:
Die Rutenbergs verlegten ihren Sitz schon im Mittelalter knapp nördlich des Hildesheimer Bistums in welfische Lande nach Rethmar, östlich von Hannover. Das im Wappeneintrag genannte Wehmingen gehörte ehemals zum großen Lehnsbesitz der Rutenbergs. Allerdings war/ist dort kein "Haus Wehmingen" vorhanden- vermutlich ein Transkriptionsfehler für "Haus Rethmar", das es sehr wohl gibt. Dort und in der Kirche sind noch heute zahlreiche Wappensteine sichtbar, z.B.:
Bild
Rethmar bei Sehnde führt das alte Rutenberg-Wappen auch als Teil des Gemeinde-Wappens: http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 0713194234

Viele Grüße
Johannes

Edit: kleine Ergänzungen nachgereicht.
Zuletzt geändert von Albus am 10.11.2011 14:12, insgesamt 3-mal geändert.

Irmgard
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RE: Wappen Rautenberg

Beitrag von Irmgard » 10.11.2011 10:01

Hallo Johannes,

vielen Dank für den wertvollen Hinweis! Vielleicht sollte man Frau Rautenberg darüber informieren, womit Sie sich gerade "schmückt"?

Es gibt ja nicht wenige Leute, die sich mit Heraldik beschäftigen und leicht erkennen, daß es sich hier um eine (sicher gutgläubig) erworbene Wappenübernahme eines Wappenschwindelers handelt und ihr selber somit keinesfalls zur erhofften Ehre gereicht.

mit freundlichem Gruß.
Irmgard
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.

Fam.-Nam.-Bildung und Wort-/Begriff-Erklärung sind zweierlei! Wort- bzw. Begriff-Erklärungen führen zur Personifizierung eines Fam.-Namens und sind unbewiesene Spekulationen! Tatsächlich sind Fam.-Namen Adressen (wie ihre adligen Vorbilder) nach regionalen Regeln gebildetet aus Orts-/Örtlichkeitsnamen =Herkunftsnamen, die sich manchmal fälschlich als Worte lesen!

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Claus J.Billet
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Beitrag von Claus J.Billet » 10.11.2011 12:10

Nachdem dies angesprochene Wappen "Rautenberg" in der Wappenrolle des "Herold" eingetragen ist :

Eintrag am 25.9.1928 in die Deutsche Wappenrolle des Vereins "Der Herold" in Berlin
Registriernummer: Nr. 1471/28


sollte doch davon ausgegangen werden das alles seine Richtigkeit hat. ....oder :?:
Evtl. könnte eine Anfrage beim "Herold, Berlin" etwas Aufklärung bringen :!: :wink:
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Beitrag von Irmgard » 10.11.2011 12:24

Hallo Claus,
klar, fragen könnte man..

ich weiß nur nicht, ob eine Anfrage tatsächlich etwas bringt?
Wappenstifter: Nicht mehr feststellbar
Entwurf: Nicht mehr feststellbar
Gestaltung: Nicht mehr feststellbar

Vorausgesetzt die Registrierung stimmt, dann ist diese Bemerkung doch recht bemerkenswert... und bestimmt kann trotzdem davon ausgegangen werden, daß dieses Wappen jetzt zu Unrecht geführt wird, was für eine Juristin wie Frau Rautenberg eben nicht zur ehrenvollen Aufwertung dienlich ist.

Ich denke, sie weiß nichts von der Fragwürdigkeit.

Vielleicht mailt ihr ja mal jemand den Link? ;-)

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Claus J.Billet
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Beitrag von Claus J.Billet » 10.11.2011 13:22

hm...
Ich habe mir erlaubt Frau Rautenberg eine Mail zu schicken,
mit dem Hinweis auf diesen Faden,
mit der Bitte, ob Sie hier etwas zur Aufklärung beitragen kann.
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Beitrag von Irmgard » 10.11.2011 13:41

Danke, Claus.

man weiß ja: Google vergißt nichts und wer nun nach ihr googelt, liest den Hinweis zu dem von ihr übernommenen Wappen ...

Der angegebene Zeitpunkt der Registrierung ist so typisch für die Zeit als rührige Händler an gutgläubige Interessenten die angeblich zu ihrem Namen gehörenden -in Wahrheit aber historischen- Wappen verkauften bzw. emsige "Forscher" endlich "IHR" Wappen fanden...

Ich würde Frau Rautenberg gerne raten, sich ein eigenes Wappen für ihre Familie zu stiften - um allen Fragwürdigkeiten zu entgehen. Denn ihre persönliche Ahnenforschung wird sicher keines zutage fördern, das mal einem Ahnherrn tatsächlich zuerkannt wurde.

netten Gruß.. Irmgard

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Claus J.Billet
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Beitrag von Claus J.Billet » 10.11.2011 15:35

hm...
habe mal nach der Eintrag-Nummer gesucht:
"Eintrag am 25.9.1928 in die Deutsche Wappenrolle des Vereins "Der Herold" in Berlin
Registriernummer: Nr. 1471/28"

Im Bd. 1 der DWR ist diese Nummer nicht verzeichnet.
Hier ist jedoch ein Vermerk im Vorwort, daß die Nummern 1318 bis 1514 in der Monatsschrift des "Herold" veröffentlicht sind.
Diese liegt mir leider nicht vor.

noch so nebenbei:
Ein Wappen "Ruhtenberg" > In Blau über einem silbernen Dreiberg drei silberne aneinanderhängende Rauten...<
ist im Bd. 1, DWR, Seite 61 veröffentlicht.
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Albus
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Beitrag von Albus » 11.11.2011 14:23

Hallo Irmgard, hallo Claus

Danke für eure Anmerkungen und die weiteren Nachforschungen.
Wenn dieses Wappen tatsächlich in den 1920er Jahren beim Herold eingetragen wurde, wäre das ja ein Ding... :shock:
Dann hätte noch nicht einmal ein Mindestmaß an Abgleich stattgefunden, da das adlige Rutenberg/Rautenberg Wappen sowohl im Alten Siebmacher ("Ruttenberg" - Braunschweigische), als auch im Rietstap (dort sogar unter "Rautenberg"!) abgedruckt ist.

Mir fiel ebenfalls auf, daß beim hiesigen Eintrag Wappenstifter, Entwurf und Gestaltung unüblicherweise weggelassen sind. Der Ortshinweis auf Wehmingen, Gemeinde Sehnde bei Hannover, führt aber in das ehemals Rutenbergische Gebiet. Die Dörfer der Gegend gehörten zum "Großen Freien", wo Bauern seit alters her Lehnsnehmer waren mit außergewöhnlichen Freireichten, Jagdgerechtigkeit etc. Diese besondere Regionalgeschichte ist seit langem aufgearbeitet und den Alteingesessenen fast immer wohl bekannt.
Honi soit qui mal y pense... :wink:

Viele Grüße
Johannes

Brewster
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Beitrag von Brewster » 11.11.2011 22:17

Albus hat geschrieben: Wenn dieses Wappen tatsächlich in den 1920er Jahren beim Herold eingetragen wurde, wäre das ja ein Ding... :shock:
Dann hätte noch nicht einmal ein Mindestmaß an Abgleich stattgefunden, da das adlige Rutenberg/Rautenberg Wappen sowohl im Alten Siebmacher ("Ruttenberg" - Braunschweigische), als auch im Rietstap (dort sogar unter "Rautenberg"!) abgedruckt ist.

Hallo und guten Abend zusammen!

Mir geht es wie Albus: Auch ich bin neu in diesem Forum, aber mit der Heraldik durchaus schon ein paar Jahrzehnte vertraut :)

Die hier im Fall Rautenberg beanstandete Praxis des Herold ist nicht wirklich lobenswert, und sie ist auch kein Einzelfall: "Das einzutragende bürgerliche Familienwappen hat ja als Helmzier nicht den Spitzhut des adeligen Geschlechts, also lassen wir es damit gut sein." Damit wird man sich in den 1920ern begnügt haben.

Statt vieler: Nahezu derselbe Fall begegnet wieder im Jahre 1976, diesmal lautet der Name Partenheimer.

Also bitte kein Schock, man darf davon ausgehen, daß eine Beanstandung der Wappenführung vollinhaltlich zurückzuweisen ist.

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münchnerherold
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Beitrag von münchnerherold » 11.11.2011 22:22

Verflixt noch mal das Internet !
:D

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