Veränderlichkeit deutscher FN

Einführung in die Namenkunde
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Thorben
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Veränderlichkeit deutscher FN

Beitrag von Thorben » 04.06.2007 17:30

moinmoin

von unterschiedlichen zeitpunkten an gibts gesetze in deutschland nach denen der familienname einer person festgeschrieben ist. dass hierbei aus einem Meyer ein Maier werden konnte is mir auch klar. aber wie sieht es mit der änderlichkeit der FN durch verschiedene sprachen aus?

wurde auch mal aus einem Schlüter ein Schließer, aus Niemann ein Neumann und andersrum?
oder wie lässt sich im jahre 1800 die änderung von ver zu ber erklären?

die aussprache ansich ist ja bei Meyer ( = Maier) gleich.
bei röber und röver unterscheidet sie sich ja doch ein wenig.

schöne grüße Thorben
ic gefremman sceal eorlíc ellen oþðe endedæg on þisse meoduhealle mínne gebídan.

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RE: Veränderlichkeit deutscher FN

Beitrag von Irmgard » 04.06.2007 19:17

moin Thorben,
quäle dich mal hier durch und beachte als Antwort den Punkt : Lautverschiebung

Die "Einführung" des Hochdeutschen kam verstärkt mit Preussen und mit dem Einfluß der Städte auf die Landbevölkerung - man wurde 'vornehm'.
Ob es einen festen Zeitpunkt, ein Dekret gab, kann ich dir spontan nicht sagen.. aber ich denke schon. Nur wird es, wie bei den Friesen, eine längere Zeit gedauert haben, bis dieses umgesetzt war.

;-) Irmgard

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Thorben
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RE: Veränderlichkeit deutscher FN

Beitrag von Thorben » 04.06.2007 20:30

dass die lautverschiebung eine rolle spielte war mir schon fast klar (schrieven = schreiben), jedoch hab ich angenommen die sei damals schon seit 1000 jahren abgeschlossen
aber wies so ist: gut ding will weile haben! ;-)
also hat man sich den hinterwäldlerischen städtern angepasst und ihnen den eigenen namen übersetzt und darüber hinaus vielerorts die eigene sprache verlernt! :cry:

:wink:
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RE: Veränderlichkeit deutscher FN

Beitrag von Tekker » 04.06.2007 21:13

Interessant wäre doch, ob bei der Veränderung auch ein Ortswechsel stattgefunden hat. Ob also aus dem "Röver" ein "Röber" wurde, als nach Süden zog.

Ansonsten kann es natürlich so sein, wie Irma sagt, daß der Name eben "verhochdeutscht" wurde.

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RE: Veränderlichkeit deutscher FN

Beitrag von Thorben » 04.06.2007 21:44

mit "nach süden" liegst du falsch. eher nach norden, und zwar satte 20 km! ;-)
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Re: RE: Veränderlichkeit deutscher FN

Beitrag von Hendrik_Kutzke » 05.06.2007 10:33

Thorben hat geschrieben:dass die lautverschiebung eine rolle spielte war mir schon fast klar (schrieven = schreiben), jedoch hab ich angenommen die sei damals schon seit 1000 jahren abgeschlossen
aber wies so ist: gut ding will weile haben! ;-)
also hat man sich den hinterwäldlerischen städtern angepasst und ihnen den eigenen namen übersetzt ...
Thorben, du liegst vollkommen richtig. :-)
Mit Lautverschiebung hat das nichts mehr zu tun. Das FN von ihrer „plattdeutschen“ Variante zum Hochdeutschen mutierten, war oft der Fall, insbesondere wenn man von Land in die Stadt zog. Aber auch ein (neuer) Pfarrer (aus der Stadt) konnte aus niederdeutschen Namen hochdeutsche Namen machen. Tausendfach passiert.

In deinem Fall ist das noch einfach zu sehen, es wurde ins Hochdeutsche übersetzt:
Schlüter = Schließer, ein BN der zur Gruppe der Amtsnamen gehört und zurück geht auf das mhd. Wort "sluter" in den mannigfaltigen Bedeutungen "Schließer, Torwächter, Gefängniswärter, Kastellan, Kämmerer, Schaffner, Kellermeister, usw.."

Nieman = Neumann , ein ÜN = der neu Zugezogene (Nie- Nau-, Neu-)

Beim FN Röwer = Röber ist die Sache etwas verzwickter, weil die Bedeutung nicht eindeutig ist (ich kenne drei Bedeutungserklärungen). Hier ist z.B. auch eine Namenänderung aufgrund eines örtlichen Wechsels (größerer Entfernung oder an einer Sprachgrenze) möglich.
Oder aber, der "Falschschreiber" hat die wahre Bedeutung nicht gewusst, das kam auch häufig vor. Ist ja heute noch so. :lol:

Genauso sieht das bei dem FN Dürkopp aus.
Dürkopp (auch Düerkoop, Dürkop, Dürkoop, Dürkops, Dürrkoop, Dürrkop) wurde zu Teuerkauf übersetzt. Da sind leichte Zweifel angebracht.

[Dürko(o)p, Dürkopp: niederdeutsche Übernamen zu mnd.. dur teuer + kop Kauf, Kaufpreis für den Kaufmann mit überteuerten Preisen.]

Hendrik Kutzke

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Beitrag von Irmgard » 05.06.2007 11:03

ich sehe schon, ich muss an der Verständlichkeit meiner Ausdrucksweise feilen ;-)

Die Hervorhebung des Absatzes 'Lautverschiebung' innerhalb des Links sollte nur erklären, wieso aus -v- ein -b- werden konnte.
Plattdeutsch ist eine Sprache und kein Dialekt.
Plattdeutsch hat die 2. Lautverschiebung nicht mitgemacht.
Niederdeutsch ist dem Plattdeutschen verwandt, aber von Dorf zu Dorf variierend in der Aussprache und in der Gewichtigkeit des Begriffs.
Wieso nun ein niederdeutscher Dialekt ins Hochdeutsche übertragen wurde ist mit dem Pfarrer und dem Zeitgeist hinreichend erklärt.

Anmerken will ich noch, dass eine solche Namenveränderung fast immer mit einer Ortsveränderung einherging.
Kommt mir so vor, als würde man aus einem vertrauten 'Du' am neuen Wohnort ein formelles 'Sie' machen :-)

Röwer/ Röver = Röber wird im Lexikon mit Räuber ausgewiesen *megagrinsgrün*
was wieder schön zeigt, dass man die Region beachten muss, damit man im Dialekt und seinem Sprachgebrauch bleibt. Dazu benötigt man Ahnenforschung ;-)

fröhlichen Gruß.. Irmgard

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