Französische Namen nicht nur bei den Hugenotten

Einführung in die Namenkunde
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Thomas
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Französische Namen nicht nur bei den Hugenotten

Beitrag von Thomas » 14.01.2008 14:17

Dieser Beitrag, verfasst von Markus Weidenbach am 22.10.2002, 19:51 Uhr, wurde aus den ehemaligen News-Artikeln ins Forum übernommen.

bei französischen oder französisch klingenden Namen denkt man oft zuerst an die Hugenotten, die Ende des 17. Jahrhunderts ihr Land verließen, um der Verfolgung durch Ludwig XIV. zu entgehen.
Durch die Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685, welches seit 1598 den französischen Protestanten in großen Teilen eine Gleichberechtigung mit den Katholiken zugesichert hatte, sahen sich die Hugenotten ("Eidgenossen") genötigt, sich eine neue Heimat zu suchen, wo sie ihre Religion frei ausüben konnten.

Besonders in Hessen und in Preussen sammelten sich ganze Kolonien von Hugenotten, aber auch viele kleinere Fürstentümer und Städte boten den Flüchtlingen Asyl. Für Hessen-Kassel gibt es glücklicherweise eine detaillierte Bearbeitung darüber (J. Desel / W. Mogk: Hugenotten und Waldenser in Hessen-Kassel. Kassel 1978). Bei Interesse kann ich die Hessen-Übersichtskarte und eine allgemeine Europa-Karte mit den Hugenotten-Stützpunkten und ihren Zügen als jpg-Datei verschicken.

Allerdings wird bei der ganzen Sache gerne vergessen, daß es derselbe König Ludwig war, der durch seine endlosen Kriegszüge im heutigen Belgien die dortigen Einwohner scharenweise vertrieb. Einige Fürsten im Rheinland erkannten sofort das Potential an Facharbeitern, das unter den Flüchtlingen vorhanden war. Sie warben gezielt die Bergbaufachleute und Handwerker an, die vielfach aus der Wallonie kamen (Raum Lüttich-Namur). Das waren hauptsächlich französischsprachige Katholiken! Zeitgleich zur Wanderung der Hugenotten waren also auch haufenweise Wallonen ("Welsches Volk") unterwegs.

Andere Kriegsereignisse im 17. und 18. Jh. haben bei der Bevölkerungs-Verschiebung ebenfalls eine Rolle gespielt (z.B. der Lothringer-Krieg in den 1650ern und die Revolutionskriege in den 1790ern). Aber auch in Friedenszeiten kamen viele Zuwanderer hierher. Manches Schloß und manche Kirche in Deutschland hätten nicht gebaut werden können ohne italienische und französische Steinmetze, und allerhand Textilien und Spezereien wären nicht ins Land gekommen, es sei denn durch ausländische Händler. Über die italienische Wirtschaftstätigkeit im Rheinland 1600-1800 gibt es eine sogar eine Dissertation.

Kommentar von Manfred Härtel am 26.10.2002, 20:54 Uhr:
"Welsche" ist ein alter Ausdruck für Französisch-sprechende Personen
allgemein. (Lütticher) Wallonen deutet auf die Herkunft aus (dem
heutigen) Belgien hin.

Viele Regionen in Deutschland waren nach dem 30jährigen Krieg nahezu
menschenleer, hatten 90% ihrer Bevölkerung verloren. Auch der Odenwald
war eine derart stark betroffene Region. Das hatte natürlich erhebliche
ökonomische Folgen, daher waren diese Regionen an der Aufnahme von
Einwanderern, meist aus weniger stark betroffenen Regionen, interessiert
- u.a. sind auch viele Schweizer in den Odenwald gegangen.

Kommentar von Harry am 26.10.2002, 20:56 Uhr:
Welsch von althochdeutsch, walahisc "romanisch", "lateinisch", romanisch;
fremdländisch. Alle Menschen die aus der Fremde kamen, wurden Welsche
genannt. Wallonen, romanisierte Kelten (Belger) mit germanischem Einschlag
im südlichen Belgien. Wallonisch-reformierte Gemeinden, in der
Reformationszeit in den Niederlanden entstandene Gemeinden von Wallonen
(jetzt Teil der Niederländischen Reformierten Kirche); auch wallonische
Gemeinden von Auswanderern, in England und Deutschland, die dem Druck der
Verfolgung Albas gewichen waren. Ihr Bekenntnis war die "Confessio Belgica".
Gruss Harry

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