Herkunftsnamen als Familienamen und ihre Bedeutung

Einführung in die Namenkunde
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Irmgard
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Herkunftsnamen als Familienamen und ihre Bedeutung

Beitrag von Irmgard » 05.01.2008 19:26

Dieser Beitrag, verfasst von Irmgard am Mittwoch, 29. November 2006, 16:27 Uhr wurde aus den ehemaligen News-Artikeln ins Forum übernommen.

"wo sind meine Wurzeln?" - "wer kennt die Herkunft und Bedeutung meines Namens?"
das sind die häufigsten Formulierungen mit denen versucht wird eine Begründung für den Familiennamen zu finden.
Es sind die uralten Fragen: "wer bin ich?" - "woher komme ich?" - "wo gehe ich hin?".
Aber alle diese Fragen kann ein Name nicht beantworten!
Namen - vererbbare Zunamen - so bezeichnet, weil sie die Zugehörigkeit zu einer Sippschaft kennzeichneten, die man erst später Familiennamen nannte, wurden zur Identifizierung Pflicht.
Über diese Motivation ist viel geschrieben und man kann nachlesen, WARUM - WO - WANN die Verpflichtung zum Zunamen sich festigte. Das heißt: die Vererbbarkeit vom Volk angenommen wurde und man begann sich selber mit diesem Namen zu identifizieren.
Denn die Identifizierung ist die eigentliche Bedeutung des Namens! Warum war das wichtig?
Es war damals, wie heute, für die Obrigkeit wichtig zu wissen mit wie viel Steuern sie rechnen konnten und wo der säumige Schuldner auffindbar war.
Deshalb ergab sich im Laufe der Zeit und zunehmender Bevölkerung eine einfache Regel,

man hängte dem Rufnamen die Adresse an.

Beispiele sind, als Wohnstätte:
Johan up dem Felde (später kurz: Feldmann),
Hinnerk tom Dieck (später kurz: Deichmann);
siedelte nun noch ein zweiter Johann am Feld, dann benötigte man eine zusätzliche Differenzierung: >Johan up dem Haverfeld<;
ein zweiter Hinnerk wurde vielleicht >Hinnerk tom Achterdieck< genannt.
Aber sie waren nicht zwangsläufig verwandt - sie hatten nur zufällig den gleichen Rufnamen und wohnten am selben Platz und nur für den Platz hat das Wort 'Feld' oder 'Dieck' eine Bedeutung - nicht für den Familiennamen!
Der Wortsinn steht in keinem Zusammenhang mit der Person. Wer an der 'krummen Lanke' wohnt ist deshalb keine.
Aber zurück zu den Johann´s.
Gesellte sich zu den vorhandenen nun ein Neusiedler namens Johann ohne eigenen, vererbbaren Zunamen, bekam er nicht die Adresse als Zunamen, sondern er war der >Johann aus 'der Stadt seiner Herkunft'< .Sagen wir mal, er kam aus Bielefeld. Dann rief man ihn " he, Bielefelder.." So ist ganz leicht erkennbar, dass der Ortsname keine andere Bedeutung hat, als die Herkunft anzuzeigen (denn das Feld an dem er wohnt, ist ja ein Haferfeld). Die Obrigkeit wusste nun aber genau woher er kam - er war kein Entlaufener, kein Schurke. Nein, er war ein freier Mann, aus Bielefeld kommend - kein Andersgläubiger, kein Feind! Es muss nicht extra betont werden, dass die Bedeutung des Wortes 'Bielefeld' nur für die Stadt Bielefeld einen Sinn hat?! Das gilt grundsätzlich für jeden Orts-Herkunftsnamen! Für Johann und seine Nachkommen bedeutet es nur: bevor ich hierher kam, kannte man mich im Ort Bielefeld und nun bin ich für alle, die mich kennen der Bielefelder Johann.
Ach, da gibt es schon einen Bielefelder Johann im Ortsregister? "Sag, was ist dein Broterwerb?" - " die Zunft der Leinenweber?" - "Dein Name sei Johan Linners!" Aber das ist ein anderes Kapitel...: Die Namen nach Stand und Beruf.

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