Bauerschaft Varnhövel bei uns in Werne

Fragen und Anmerkungen zu regionalen Forschungen.
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Gast

Bauerschaft Varnhövel bei uns in Werne

Beitrag von Gast » 02.06.2006 21:21

Hallo liebe Forumbenutzer!

Die Bauerschaft Varnhövel bei uns in Werne,
(Varnhövel auch als Familiennamen)

In Urkunden wird die Bauerschaft Varnhövel, schon im 9. Jahrhundert genannt. Sie führte in der frühesten geschichtlichen Zeit den Namen Farhubile. In späterer Zeit hat sich der Name verändert zu Farhuvel, Varenhuvele, Varenhuvel, Varnhövel.
Den Namen von Farnkraut abzuleiten wäre zu naiv.
Die zweite Silbe bedeutet ohne Zweifel Höhe, Hügel.
Aber was will die Silbe "Varn" besagen?

Liebe Grüße
Manni

Joachim v. Roy

Beitrag von Joachim v. Roy » 02.06.2006 22:00

Hallo Manni,

Dr. Hans Bahlow, Deutsches Namenlexikon, Frankfurt a.M. 1972, S. 531, erläutert die Vorsilben der Ortsnamen VARN-, VAHREN-, FAHREN- nicht, erklärt aber zum Familiennamen Varrelmann, daß unter dem Begriff VORLA ein M o o r o r t zu verstehen sei (= Bahlows Lieblingsthema).

Ob hier Bahlow zu folgen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich würde beim Ortsnamen VARNHÖVEL eher an einen „einsamen, i.e. in der Ferne [in der Heide, im Moor] gelegenen Hügel“ denken (vgl. in diesem Zusammenhang auch das niederländische VER bzw. das englische FAR = fern, weit, entfernt).

Freundliche Grüße vom Rhein

Gast

Beitrag von Gast » 02.06.2006 22:45

Hallo Joachim v.Roy,

ihre These hat was, zumal die ersten beiden Erwähnungen von Varnhövel waren:

Farhubile und Farhuvel

In Hans Bahlow's Deutschlands geographische Namenwelt, S. 133 beschreibt er ebenfalls seine von ihnen erwähnte Vorliebe zu Mooren, Sümpfen, ect.(Zitat unten). Soll man's glauben? Ich bin vorsichtig!
Nun habe ich noch eine These vorliegen, der ich überhaupt nicht folgen kann.
Die Arbeit des Pfarrers Anton Paßmann aus Niederbachen bei Bad Godesberg weist in eine gänzlich andere Richtung.

Seine 1968 erschienene These:
  • Viele unserer Ortsnamen können in ihrer Bildung auf die Kelten zurückgeführt werden, die unser Heimatgebiet noch vor den Germanen besiedelt hatten und sich vor dem Zustrom der Germanenstämme nach Westen zurückzogen, wo wir in der Bretagne (Frankreich) und in Südengland noch Reste vorzufinden glauben. Bei den Kelten pflegte man den Kult des "Fruchtbaren Wassertieres", einer Gottheit also, die man sich als einen dreigehörnten Stier vorstellte mit der Bezeichnung "Ver", die von den Germanen umgebildet wurde in "Var", auch Ur und Os.
Somit wäre Varnhövel eine Anhöhe gewesen, auf der dieser Stier "Var" verehrt wurde, also eine Kultstätte noch aus der Zeit der Kelten. Auch der Name Werne könnte davon herrühren.

Bahlow's These:
  • Er reiht den Namen Varnhövel ein in die Gruppe der Örtlichkeiten, deren Namen sich herleiten lassen von Sumpf, Moor. Er belegt seine Meinung mit der Anführung einer sehr großen Zahl von Namen mit der Vorsilbe "Far", "Var" oder "Fer" aus Thüringen, Bayern, Baden, aus dem Siegkreis, dem Lippischen, aus Flandern, England usw.
:roll:
Liebe Grüße Manni

Irmgard
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Beitrag von Irmgard » 03.06.2006 15:26

nicht verirren im Sumpf :-)

Die gesuchte Silbe ist FAR mit Entwicklung zu VARN

Varn heißt Fahren

Nehme ich nun das ahd <far> habe ich die Bedeutung :
Fahrt , im Sinne von : führen, hinüberbringen, Überweg - aber auch die Bedeutung : Ge-fahr! abseits, fern

Ob diese Bedeutung auch für andere Orte / Örtlichkeiten mit der Vorsilbe >Varn / Vahren..< gilt, muß man im Einzelnen prüfen. Geht deren Entwicklung auf >Fer / Fur< gibt es einen Sinn, wenn man nach 'Modder/ Sumpf/ Matsch' sucht.

Zur Vermutung 'far' auf Stier zurückzuführen: hier stimmt der Ansatz, aber es geht dann nicht weiter ..
Das ahd Wort für Stier und Ochse ist 'farras' ..

Es ist verlockend, die Namen Varnhövel , Vahrenhorst, Varnhausen zu vergrleichen, aber dabei muß man die älteste Schreibweise des Namens berücksichtigen.

Und bevor ich mich in der Welt umschaue .. erst die Region abgrasen :-)

lieben Gruß.. Irmgard
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.

Fam.-Nam.-Bildung und Wort-/Begriff-Erklärung sind zweierlei! Wort- bzw. Begriff-Erklärungen führen zur Personifizierung eines Fam.-Namens und sind unbewiesene Spekulationen! Tatsächlich sind Fam.-Namen Adressen (wie ihre adligen Vorbilder) nach regionalen Regeln gebildetet aus Orts-/Örtlichkeitsnamen =Herkunftsnamen, die sich manchmal fälschlich als Worte lesen!

Tymberwolf

Re: Bauerschaft Varnhövel bei uns in Werne

Beitrag von Tymberwolf » 13.09.2006 17:16

Manni hat geschrieben: In Urkunden wird die Bauerschaft Varnhövel, schon im 9. Jahrhundert genannt. Sie führte in der frühesten geschichtlichen Zeit den Namen Farhubile. In späterer Zeit hat sich der Name verändert zu Farhuvel, Varenhuvele, Varenhuvel, Varnhövel.
Manni,
kannst du auch die Jahreszahlen zu den verschiedenen Schreibweisen hinzufügen?

Tymberwolf

Gast

Beitrag von Gast » 30.09.2006 10:40

Hallo Tymberwolf,
Manni,
kannst du auch die Jahreszahlen zu den verschiedenen Schreibweisen hinzufügen?
Ich hab nochmals intensiv im Stadtarchiv u.-bücherei nachgeforscht, aber keine Hinweise zu einer Jahreszahl gefunden... :cry: :cry:

Liebe Grüße
Manni

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Hendrik_Kutzke
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Beitrag von Hendrik_Kutzke » 30.09.2006 23:10

Irmgard hat recht!
varn = "fahren, gehen, treiben".
Meist steht eine Beziehung zum Vieh dahinter, etwa ein Triftweg (hier also ein Hügel über den das Vieh getrieben wurde).

Hendrik
Zuletzt geändert von Hendrik_Kutzke am 30.09.2006 23:15, insgesamt 1-mal geändert.

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Hendrik_Kutzke
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Beitrag von Hendrik_Kutzke » 30.09.2006 23:15

Nachtrag: Varloh (=Varnloh 1146)

Hendrik

Gast

Beitrag von Gast » 01.10.2006 15:42

Hallo Freunde,
erstmal vielen Dank für eure Hilfe.

Hier der fertige Entwurf wie ich ihn abheften möchte. Oder hat einer noch Verbesserungsvorschläge?
  • Die Bauerschaft Varnhövel in Werne a. d. Lippe
    von Manni

    In Urkunden wird die Bauerschaft Varnhövel, schon im 9. Jahrhundert genannt. Sie führte in der frühesten geschichtlichen Zeit den Namen Farhubile. In späterer Zeit hat sich der Name verändert zu Farhuvel, Varenhu-vele, Varenhuvel, Varnhövel.
    Den Namen von Farnkraut abzuleiten wäre zu naiv. Die zweite Silbe bedeutet ohne Zweifel Höhe, Hügel.
    Aber was will die Silbe "Varn" besagen?
    1Dr. Hans Bahlow, Deutsches Namenlexikon, Frankfurt a.M. 1972, S. 531, erläutert die Vorsilben der Ortsnamen VARN-, VAHREN-, FAHREN- nicht, erklärt aber zum Familiennamen Varrelmann, daß unter dem Begriff VORLA ein Moorort zu verstehen sei (= Bahlows Lieblingsthema).
    Ob hier Bahlow zu folgen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich würde beim Ortsnamen VARNHÖVEL eher an einen „einsamen, in der Ferne [in der Heide, im Moor] gelegenen Hügel“ denken (vgl. in diesem Zusammen-hang auch das niederländische VER bzw. das englische FAR = fern, weit, entfernt).
    In 2Hans Bahlow's Deutschlands geographische Namenwelt, S. 133 beschreibt er ebenfalls seine erwähnte Vor-liebe zu Mooren, Sümpfen, etc.
    Er reiht den Namen Varnhövel ein in die Gruppe der Örtlichkeiten, deren Namen sich herleiten lassen von Sumpf, Moor. Er belegt seine Meinung mit der Anführung einer sehr großen Zahl von Namen mit der Vorsilbe "Far", "Var" oder "Fer" aus Thüringen, Bayern, Baden, aus dem Siegkreis, dem Lippischen, aus Flandern, England usw.
    Soll man's glauben? Ich bin vorsichtig!
    Nun wollen wir uns aber nicht im Sumpf verirren.
    Nun habe ich noch eine These vorliegen, der ich überhaupt nicht folgen kann.
    Die Arbeit des Pfarrers Anton Paßmann aus Niederbachen bei Bad Godesberg weist in eine gänzlich andere Richtung.
    Seine 1968 erschienene These:
    Zitat:  Viele unserer Ortsnamen können in ihrer Bildung auf die Kelten zurückgeführt werden, die unser Hei-matgebiet noch vor den Germanen besiedelt hatten und sich vor dem Zustrom der Germanenstämme nach Westen zurückzogen, wo wir in der Bretagne (Frankreich) und in Südengland noch Reste vorzufinden glauben. Bei den Kelten pflegte man den Kult des "Fruchtbaren Wassertieres", einer Gottheit also, die man sich als einen dreigehörnten Stier vorstellte mit der Bezeichnung "Ver", die von den Germanen umgebildet wurde in "Var", auch Ur und Os.Zitat ende
    Somit wäre Varnhövel eine Anhöhe gewesen, auf der dieser Stier "Var" verehrt wurde, also eine Kultstätte noch aus der Zeit der Kelten. Auch der Name Werne könnte davon herrühren.
    Zur Vermutung 'far' auf Stier zurückzuführen: hier stimmt der Ansatz, aber es geht dann nicht weiter ..
    Das ahd. * Wort für Stier und Ochse ist 'farras' ..
    Die gesuchte Silbe ist FAR mit Entwicklung zu VARN. Varn heißt Fahren
    Nehme ich nun das ahd. * <far> habe ich die Bedeutung : Fahrt , im Sinne von : führen, hinüberbringen, Über-weg - aber auch die Bedeutung : Gefahr! abseits, fern, oder aber auch von:
    varn = "fahren, gehen, treiben".
    Meist steht eine Beziehung zum Vieh dahinter, etwa ein Triftweg (hier also ein Hügel über den das Vieh getrieben wurde).
    Ob diese Bedeutung auch für andere Orte / Örtlichkeiten mit der Vorsilbe >Varn / Vahren..<gilt, muß man im Einzelnen prüfen. Geht deren Entwicklung auf >Fer / Fur< gibt es einen Sinn, wenn man nach 'Modder/ Sumpf/ Matsch' sucht.

    Es ist verlockend, die Namen Varnhövel , Vahrenhorst, Varnhausen zu vergleichen, aber dabei muß man die älteste Schreibweise des Namens berücksichtigen.

    Aber bevor ich mich in der Welt umschaue .. erst die Region abgrasen.

    *ahd. = althochdeutsch

    Quellen:
    1Dr. Hans Bahlow, Deutsches Namenlexikon
    2Hans Bahlow's Deutschlands geographische Namenwelt
    3Ahnenforschung Greve


    © 2006 Manni

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Hendrik_Kutzke
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Beitrag von Hendrik_Kutzke » 02.10.2006 08:11

Manni hat geschrieben: Nun habe ich noch eine These vorliegen, der ich überhaupt nicht folgen kann.
Die Arbeit des Pfarrers Anton Paßmann aus Niederbachen bei Bad Godesberg weist in eine gänzlich andere Richtung.
Seine 1968 erschienene These:
Zitat:  Viele unserer Ortsnamen können in ihrer Bildung auf die Kelten zurückgeführt werden, die unser Hei-matgebiet noch vor den Germanen besiedelt hatten und sich vor dem Zustrom der Germanenstämme nach Westen zurückzogen, wo wir in der Bretagne (Frankreich) und in Südengland noch Reste vorzufinden glauben. Bei den Kelten pflegte man den Kult des "Fruchtbaren Wassertieres", einer Gottheit also, die man sich als einen dreigehörnten Stier vorstellte mit der Bezeichnung "Ver", die von den Germanen umgebildet wurde in "Var", auch Ur und Os.Zitat ende
Somit wäre Varnhövel eine Anhöhe gewesen, auf der dieser Stier "Var" verehrt wurde, also eine Kultstätte noch aus der Zeit der Kelten. Auch der Name Werne könnte davon herrühren.
Was WERNE damit zu tun haben soll ist völlig unverstädlich!

Auch die These das Varnhövel etwas mit "heiligen Ochsen" zu tun haben könnte ist völlig abwegig. Eine Zuweisung zu einer Gottheit "Var" kommt schon wegen der starken Flexion des BW nicht in Frage.

Hendrik Kutzke

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